A Conversation

A Conversation We Tried; Not Precise Enough
A Conversation We Tried; Not Precise Enough

Konversationsstück (Conversation Piece) (with Franz Amann) / 2011 / plaster, metal, wood, concete, oil on canvas / 113 x 60 x 58 cm / Show: A Conversation (with Franz Amann) / 09.04. ­ 07.05.2011 / Forum Stadtpark, Graz

Whether the distance between the words and the works is not even greater than it seems? This idea is close (like the “ideas” on the tongue?). Further approximations are merely announced here: the Anthology of the Materiality of Encounters to be produced will be fed by experiences and conclusions from ten years of work ­ mostly sculptural. Presence and the volatility of the body (including things) are attributed. The third, fourth, fifth dimension arouse to the wildest speculation. Pacification will not always be the motive for making or talking. How to escape any rhetoric? Art should be sympathetic? A dubious claim. The form of the encounter of two bodies in a space: that is the universe, the real, also the horror.

(Miras Ropot)

A Conversation We Tried; Not Precise Enough

Allee (Alley) / 2011 / wood, glaze, fabric, pinecone, photography / 218 x 341 x 12 cm / Show: A Conversation (with Franz Amann) / 09.04. ­ 07.05.2011 / Forum Stadtpark, Graz

2011, März. A Conversation? Ein Gemeinplatz.

  Für mich ist es nicht mehr notwendig, den anderen zu „verstehen“, das heißt, ihn auf das Modell meiner eigenen Transparenz zu reduzieren, um mit diesem Anderen zusammenzuleben oder etwas mit ihm aufzubauen. Das Recht auf Opazität bezeichnet heute das Gegenteil von Barbarei. (Édouard Glissant)

Von einer empfundenen Erwartung sprichst du als von einer auf dir Lastenden – ist diese auch nicht von Gewicht. Conversation wurde betrieben. In gesellschaftlichem Rahmen, auf dem Parkett, hatte man sich regelrecht strategisch zu präsentieren, zu produzieren. Dabei handelte es sich explizit um reine Formalität, sachliche wie inhaltliche Elaboriertheit galt zurecht als wichtigtuerische Geschmacklosigkeit, roch, wie in der Umständlichkeit des Wortes mitgeschleppt, nach dem Schweiss der Arbeit: elaboriert. Dagegen glänzte die Brillanz der rechten Art, leicht, tänzerisch, die Anekdoten, Pointen und Provokationen zu setzen, zu conversieren: in guter Gesellschaft, die zu einer solchen erst wurde, wenn sie sich in der hohen Kunst des inszenierten Gesprächs bewähren konnte. Wie machen wir uns beliebt?

Nur laut Überlieferung, den Romanen der „grossen Zeit“, hat man sich Conversationen als ausgefeilte Situationen höchster Kultur vorzustellen. So lautet der Verdacht: wohl war es stets eine recht technische, auf Effizienz ausgerichtete Angelegenheit. Eine Art Programmierung, den Wissenden auf eine schreckliche Art durchsichtig: wie machen wir uns beliebt? Wie verschaffen wir uns einen Vorteil? Heissts also immer noch: A Conversation? Lastet eine Erwartung? Ein Verdacht?

Nach einer bestimmten Kunstauffassung, welche Du aufs Tapet gebracht hast, gibt es einen gewissen Diskurs, ein Paradigma, einen Rahmen, ein Regelwerk, innerhalb dessen Kunst, will sie ernst genommen werden, stattzufinden hat. Ein Kunstwerk, will es als gelungen gelten, muß unter Anwendung derjenigen Regeln, welche der Kunstdiskurs für den Künstler vorsieht, produziert worden sein; es muß sozusagen ein Produkt der Abarbeitung dieser Regeln sein.  Der Fokus der künstlerischen Betätigung liegt hier sozusagen auf einer korrekten Abarbeitung der Regeln des Diskurses. Die Kunst ist hier selbstreferentiell, bleibt bei sich, sie genügt sich selbst, erreicht die jenseits des Kunstbetriebes gelegene Realität nicht (bzw. kaum).   (Peter Wehinger an Amann/Stroj)

Wollen Franz Amann und Misha Stroj ernst genommen werden? Sie arbeiten sich ab, und enden aber doch in Formalität. Sie gehören zu jenen Bescheidenen die wissen: unser aller Regelwerke schreiben sich im Ereignis unserer Folgschaft, die doch nie tatsächlich korrekt ausfallen mag. Die gewollten wie passierten Abweichungen öffnen Brüche hin zu den Ahnungen: Einmaligkeit lässt unendlich oft sich wiederholen, ohne angestrebt zu sein. Auch und nicht weniger echt: ist die praktizierte Lebensform Kunst (wie sonst es benennen?). Und die kann mehr denn je Modell sein für ein jedes gesellschaftliches wie lebendiges Ereignis – man heisst das meist „Problem“.  Auf eine gewisse Art, und in dieser Art unvermeidlich, werden Künstlerinnen sich selbst Anlass und Auftraggeberinnen. Wenn auch der Ruf des Forums Stadpark in Graz den Anstoss gab, so wurde eigenwillig der „Raum für Zwei“ übertrieben: der atelierlos agierende Stroj ist eingedrungen in Amanns Arbeitsräume. Dort haben sie sich einander präsentiert, sich produziert. Amann ist konsequent: er liess sich nie beirren von den Zurufen aktueller Strömungen, liess nie sich Praktiken aufzwingen, die einen irgendwie falsch verstandenen erhöhten Realitätsgehalts behaupten („Lebenswelten“). Er weiss: er bringt all Welt wie Leben mit – ins Atelier, im schlimmsten Falle ist ein Speziergang zu machen, ab und an. Stroj kokettiert gerne mit der Erwartung, mit der Delegation der Verantwortung und der Entscheidung. So drang er also ein: in Amanns Atelier.

Der engagierte Künstler, so wie ich ihn mir vorstelle, läßt sich von der jenseits des Kunstbetriebes gelegenen Realität leiten, kann sich von dieser (zumindest teilweise) Form und Inhalt vorzeichnen lassen (wie sich beispielsweise das Grauen der von Napalm Death behandelten Aspekte der Realität in der Form ihrer Musik niederschlägt).   (Peter Wehinger an Amann/Stroj)

Kunst soll sympathisch sein, hat ein Andrer kürzlich behauptet. Die Formen der Begegnung zweier Körper in einem Raum: das ist das All, das Reale, auch das Grauen. Amann wie Stroj machen Werke die von der Abarbeitung an den unendlich einmaligen Regeln dieser Formen zeugen. So sind und bleiben sie also Künstler. So treiben sie also Conversation, wissend um das Gespenst des wahrhaftigen Gesprächs, und den Geruch des Schweisses. Amann hat sich weiter nicht beirren lassen und zeigt uns sein Werk, Stroj war ein wenig im Weg gestanden und hat bei Amann doch wieder alles gefunden das zeugt: vom Reichtum und den Ernüchterungen unseres Hierseins. Nennt man jetzt Gestaltung, was früher Freiheit hiess? Hat ein noch ein Andrer kürzlich behauptet: der gute Wille  einer jeden Freundschaft…steht der Wahrhaftigkeit im Wege.

 Mich interessieren – wie gesagt – Grenzen des menschlichen Tuns bzw. Theorien, welche dem menschlichen Tun, der menschlichen Machbarkeit Grenzen setzen, welche Abhängigkeiten des Menschen aufzeigen.   (Peter Wehinger an Amann/Stroj)

Amann Stroj praktizieren die Grenzen ihres Tuns, setzen und verschieben wiederholt die Grenzen ihrer Machbarkeit wie Abhängigkeiten. Das gelingt in aller Augen – die guten Willens sind. Die wenigsten werden sich auf Konventionen berufen aus denen folgt: ist ja alles nicht wahr. Soll Kunst sympathisch sein? Beliebt ist auch beliebig.

Gemeinplätze sind für mich nicht vorgefasste Meinungen, sondern, wie es der Name sagt, Orte, an denen eine Idee über die Welt einer anderen begegnet.   (Édouard Glissant)

(Miras Ropot)

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